Beide Versicherungen decken unterschiedliche Risiken ab: Die private Unfallversicherung leistet nur bei dauerhaften Gesundheitsschäden durch einen Unfall, während eine Berufsunfähigkeitsversicherung auch bei Krankheit (etwa psychischen Leiden oder Rückenbeschwerden) greift, die in der Praxis deutlich häufiger zur Berufsunfähigkeit führen. Für die Absicherung der Arbeitskraft gilt die BU daher meist als wichtigster Baustein; die Unfallversicherung ergänzt sie bei schweren Unfallfolgen. Die Unfallversicherung der Haftpflichtkasse („Einfach Komplett“) erhielt bei Stiftung Warentest (Stand 01.10.2025) das Qualitätsurteil GUT (1,9).
Worin sich die beiden Versicherungen unterscheiden
Die beiden Produkte sichern zwei verschiedene Risiken ab und schließen sich nicht gegenseitig aus:
- Private Unfallversicherung: zahlt nur, wenn ein Unfall zu einer dauerhaften Invalidität, einem Krankenhausaufenthalt oder zum Tod führt. Krankheiten sind grundsätzlich nicht abgedeckt (einzelne Erweiterungen wie bestimmte Infektionen oder altersbedingte Frakturen regelt der jeweilige Tarif).
- Berufsunfähigkeitsversicherung: zahlt eine Rente, wenn man seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann – unabhängig von der Ursache, also auch bei Krankheit.
Da Berufsunfähigkeit in der Praxis häufiger durch Krankheiten als durch Unfälle ausgelöst wird, deckt die Unfallversicherung allein das Risiko „Verlust der Arbeitskraft“ nur teilweise ab. Zu Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung liegen in den vorliegenden Quellen keine Angaben vor.
Was die Unfallversicherung der Haftpflichtkasse bietet
Die Unfallversicherung der Haftpflichtkasse gibt es in drei Varianten: Einfach Gut, Einfach Besser und Einfach Komplett (Leistungsübersicht, Stand 01.06.2019). Typische Leistungen sind:
- Invaliditätsleistung inkl. Unfall-Rente ab einem Invaliditätsgrad von 50 %
- Krankenhaustage- und Genesungsgeld sowie Sofortleistung bei schweren Verletzungen (im Tarif Einfach Komplett bis zu 20 % der Invaliditäts-Grundsumme, max. 20.000 EUR)
- Behinderungsbedingte Mehraufwendungen (z. B. Umbau, Umschulung, Prothesen) – bis 2.000 EUR / 6.000 EUR / 30.000 EUR je nach Tarif
- Todesfallleistung, Bergungs- und Rückholkosten, kosmetische Operationen u. a.
- Im Tarif Einfach Komplett zusätzlich u. a. ein Pflegegeld ab Pflegegrad 2 für bis zu drei Jahre
Ein Mehrpersonenrabatt (10 % ab 2 Personen), ein Bündelnachlass (5 % bzw. 10 % bei bestehendem Haftpflicht- und/oder Hausratvertrag) und ein Papierlos-Nachlass (5 %) sind möglich.
Testurteil Stiftung Warentest
In der Untersuchung privater Unfallversicherungen von Stiftung Warentest (Stand 01.10.2025, Ausgabe 03/26) wurden die Tarife der Haftpflichtkasse wie folgt bewertet:
- Einfach Komplett (Gliedertaxe PremiumPlus), Grundsumme 150.000 / Progression 500: Qualitätsurteil GUT (1,9); Jahresbeiträge 290 EUR (niedrige Gefahrengruppe), 599 EUR (hohe Gefahrengruppe), 132 EUR (Kind)
- Einfach Gut (Gliedertaxe Standard), Grundsumme 150.000 / Progression 500: Qualitätsurteil BEFRIEDIGEND (2,8); Jahresbeiträge 142 EUR / 292 EUR / 65 EUR
Die Beiträge richten sich nach dem ausgeübten Beruf (Gefahrengruppe). Eine Berufsunfähigkeitsversicherung war nicht Teil dieses Tests.
Für wen ist welche Lösung sinnvoll?
- Berufstätige mit Einkommen: Zur Absicherung der Arbeitskraft gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung als zentraler Baustein, weil sie auch bei Krankheit zahlt. Eine Unfallversicherung kann sie bei schweren Unfallfolgen ergänzen, aber meist nicht ersetzen.
- Kinder, Hausfrauen/-männer, Rentner: Für Personen ohne Einkommen aus Erwerbstätigkeit ist eine BU oft nicht sinnvoll oder nicht abschließbar. Hier kann die Unfallversicherung als Absicherung schwerer Unfallfolgen die praktikablere Lösung sein.
Eine pauschale Empfehlung „entweder/oder“ lässt sich nicht geben – die Produkte decken unterschiedliche Risiken ab. Welche Kombination passt, hängt von Einkommen, Beruf und individueller Situation ab.
Stand: Oktober 2026 · Quellen: Die Haftpflichtkasse, Leistungsübersicht Unfallversicherung (Stand 01.06.2019); Stiftung Warentest, Unfallversicherungen (Stand 01.10.2025)